Geschichte der Kornbrennerei Christian Meyer

Die landwirtschaftliche Kornbrennerei wurde 1721 von Familie Christian Meyer im Haus Nr. 205 in Hille/Westfalen gegründet. Über Einzelheiten aus dieser Zeit gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Die Bodenqualität der Hartumer Lössplatte hatte damals den Getreideanbau begünstigt. Die Bauern konnten mehr Korn ernten, als für den Eigenbedarf erforderlich war. Der Überschuss wurde zur Herstellung von Alkohol veredelt.
 

In der Behördensprache von damals wurden die kleinen Brennereien vielerorts als Fuselbrenner bezeichnet.

 

Obgleich die Landesherren seit dem 16. Jahrhundert den Fusel mit Steuer und Abgaben belegten - früher abhängig von der Größe des Maischebottichs oder der Brennblase, heute Branntweinsteuer pro erzeugten Liter Alkohol.

 

Knapp 70 % der 23.000 Brennereien in Preußen wurden 1831 auf dem Lande betrieben. Allein in Westfalen gab es damals 1.209 reine Kornbrennereien. Sie sollten den Bauern als sichere Neben-Einnahmequelle dienen und helfen, die Bodenqualität über die Schlempe/Gülle zu verbessern.

Rechnungskopf von 1899 mit Zeichnung des gesamten Betriebes in damals üblicher Überzeichnung
Rechnungskopf von 1899 mit Zeichnung des gesamten Betriebes in damals üblicher Überzeichnung
Meyers Brennerei erlebte ab 1880 einen erheblichen Aufschwung. 
Christian Heinrich Meyer erbaute 1890 das heutige Brennereigebäude gegenüber vom Bauernhaus, direkt im dörflichen Zentrum von Hille.
Die Blütezeit erlebte die Schnapsbrennerei um die vorletzte Jahrhundertwende.
Viele Urkunden und Auszeichnungen zeugten zwischen 1897 und 1916 vom Erfolg der Kornbranntweinbrennerei.
aus der Provinz für die Hauptstadt
aus der Provinz für die Hauptstadt
Der Alkohol wurde in Korbflaschen abgefüllt und mit Pferdefuhrwerken zu den Gastwirten in der näheren Umgebung gefahren. Ab 1903 dienten auch die Mindener Kreisbahnen (MKB-Eisenbahn) zum Transport in entferntere Städte wie Bremen, Hamburg, Hannover oder Magdeburg. In Berlin gab es sogar eine Niederlassung in der Mühlenstraße. Dafür wurde in Hille eigens der Berliner Getreide Kümmel hergestellt.
Südseite der Villa - Postkarte von 1920
Südseite der Villa - Postkarte von 1920

Christian Ludwig Meyer führte die Geschäfte nach dem Tod des Vaters 1907 alleine erfolgreich fort. 1912 baute er eine Villa auf einem 3.000 Quadratmeter großen Grundstück gegenüber den Brennerei- und landwirtschaftlichen Gebäuden sowie direkt neben der Hausstätte Nr. 205 mit Kolonialwarenladen und Gasthof "Zum weißen Ross".

Meyers Krug um 1956/57
Meyers Krug um 1956/57
Als Ludwig im Januar 1918 starb, war dessen Sohn Christian Gerhard Burkhard erst 14 Jahre alt. Seine Mutter Friederike (gestorben in 1922) und ein Verwalter leiteten den landwirtschaftlichen Betrieb samt Kornbrennerei in den Folgejahren. Die Auswirkungen des 2. Weltkrieges und fehlendes unternehmerisches Glück führten zum langsamen Rückgang.
Nachdem der letzte meyersche Besitzer Christian Gerhard Burkhard im Alter von 52 Jahren am 5. März 1956 verstorben war, verkaufte die Ehefrau und Erbin Emmy die Brennerei und den verbliebenen Grundbesitz 1958 an Wilhelm Rinne aus Stadthagen.

Der Käufer Wilhelm Rinne hatte Brennererfahrung. Echter Alter Rinnauer Korn und der Weinbrand Rinnauer Ur-Edel wurde damals von den Geschäftspartnern Rinne & Bredthauer in Stadthagen produziert. Nach umfangreichen Investitionen in den 1960er Jahren brannte die Chr. Meyer OHG hier in Hille bis März 1990 Alkohol.

Von 1990 bis 1995 wurde von der Bundesmonopolverwaltung Alkohol gekauft, mit Aromen und Essenzen vermischt und in den Handel gebracht. Danach wurde die Brennerei endgültig geschlossen und an die heutige Inhaberfamilie Karl Preuß aus Minden (WEZ-Verbrauchermärkte) verkauft. Der Eigentümer unterstützt das Museum und den Trägerverein ideell und materiell.
Seit 1996 werden die überregional bekannten Hiller-Erzeugnisse wie der Moorbrand, Bastkorn, Trunk, Wacholder und einige Fruchtliköre von der Kornbrennerei Wollbrink GmbH & Co. KG in Bersenbrück nach alten Rezepten in Lizenz hergestellt und vertrieben.