Hilles Weißstörche 2011

Die Bewohner hoch oben auf dem Schornstein der Alten Brennerei werden liebevoll "die Hillerichs" genannt.

 

Bis Anfang März 2011 beherbergte der Kamin das höchste Storchennest im Kreisgebiet.

 

Diesen Rekord verloren wir an die neue Nisthilfe in 30 Meter Höhe auf dem Werbeturm des Druckhauses von J.C.C. Bruns am Trippeldamm in Minden. Solange dort noch keine Störche heimisch geworden sind, bleibt dem Hiller Horst noch der Rekord als höchste Brutstätte im Storchenkreis. 


Januar

Beide Störche waren bis Ende November 2010 vor Ort. Im Dezember und Januar wurden sie nicht gesehen. Es ist ihnen auf dem stillgelegten Kamin wohl zu kalt gewesen zu sein (Winterflucht). 

Ein Storch steht am Sonntag (30. Januar 2011) in der Mittagszeit auf dem Nest und wartet auf ein leckeres Essen oder angenehmeres Wetter. Ein kalter Wind mit Temperaturen knapp unter null Grad weht aus Nordost über Hille. Der Himmel ist trist und grau.

Februar

Das Wetter ist deutlich milder geworden. Ein Storch ist in der ersten Februarwoche regelmäßig auf dem Schornstein zu beobachten, obwohl stürmische Böen über ihn hinwegfegen. Wenige Tage später halten sich zwei Störche auf dem Nest auf. Am Samstagvormittag des 19. Februars beobachtet das Storchenpaar die Montagearbeiten der Vereinsmitglieder auf dem Vorplatz. Zahlreiche Einwohner, die auf dem Weg zum Einkaufsmarkt sind, erfreuen sich beim Anblick der Störche. Besonders faszinierend ist es, wenn die Störche nebeneinander das Nest auf dem Schornstein anfliegen. Beim Abflug "fallen" sie regelrecht einige Meter herunter, bevor sie mit langsamen Flügelschlägen um das Brennereigebäude herum in die Höhe aufsteigen.

März

Ein Feuerwehrfahrzeug sorgte am Samstagnachmittag des 5. März gegen 14.30 Uhr kurz für Aufregung auf dem Parkplatz vor dem WEZ-Markt in Hille. Ohne Blaulicht aber mit Hilfe der riesigen Leiter der Werksfeuerwehr BASF gelangte Dr. Alfons Bense an das Storchennest auf dem Brennereischornstein. Mit Mistforke und Muskelkraft entfernte der Storchenexperte den alten Storchen- und Taubendreck - insgesamt drei große Eimer voll. Anschließend wurde das Nestinnere mit frischem Pferdemist und Hackschnitzel neu für die kommende Brutzeit präpariert.

Glücklich und zufrieden betrat Bense nach einer knappen halben Stunde wieder Hiller Boden und eilte zum nächsten Termin. Ein Storchenbetreuer hat eben bei über 30 Horsten viel zu tun. Und auch die Mitarbeiter der

BASF-Werksfeuerwehr trat nach dem ungewöhnlichen Einsatz die Heimfahrt an. 

Wir wünschen den Hillerichs, dass sie sich in der renovierten Wohnung wohl fühlen und uns in diesem Jahr wieder zwei oder drei Jungstörche bescheren.

Mitte des Monats brachten die Störche Nistmaterial auf den Horst. Seit dem 21. März sitzt ein Storch auf dem Nest. Daher vermuten wir, dass die Hillerichs mit dem Brutgeschäft angefangen sind.

April

Ja, sie brüten noch!

 

In den letzten Apriltagen beobachteten wir wieder aufmerksam das Nest, können aber noch sagen, ob die Brut erfolgreich war und ggf. wie viele Neubürger aus den Eiern geschlüpft sind.

Mai

Über 40 Teilnehmer frühstückten am 1. Mai nach der morgendlichen Wanderung durchs Hiller Moor in der Brennerei. Fast jeder blickte zum Storchennest. Vom Nachwuchs war nichts zu sehen.

Am Muttertag (8. Mai) herrschte noch Ungewissheit. Seit dem 11. Mai sind wir sicher, dass der Nachwuchs geschlüpft ist. Die Eltern unternehmen viele Versorgungsflüge und füttern den oder die kleinen Hillerichs. Oft sind drei Störche in der Nähe des Horstes. Führen die Hillerichs eine Dreierbeziehung?

 

Leider hatten wir am 22. Mai einen toten Jungstorch vor dem Schornstein entdeckt, den die Eltern aus dem Nest geworfen haben. Ein Woche später konnten wir drei Jungstörche sehen, die ihren Kopf über den Nestrand hoben.

Juni

Die Beringung erfolgte am 6. Juni. Alfons R. Bense signalisierte durch Handzeichen, dass sich drei relativ große Jungvögel im Nest befanden. Die Storchenmutter kreiste aufgeregt und klappernd um den Schornstein mit kurzen Landungen auf dem Brennereigebäude und auf einer nahen Eiche. Da keine Feuerwehrleiter zur Verfügung stand, musste der Storchenvater mit einen Hubwagen der Stadt Lübbecke mit maximaler Höhe von 23 Metern vorlieb nehmen. 

Beim zweiten Versuch erreichte Alfons R. Bense zwar das Nest in 22 Meter Höhe, konnte aber nur einen kleinen Hillerich beringen. Die anderen beiden standen am Rand auf der gegenüberliegenden Seite des etwa Mühlenstein-großen Nestes.

 

Weitere Aktionen hätten Mensch und Tier gefährden können, daher siegte der Verstand und die Beringung wurde beendet. 

 

Und so sehen die drei kleinen Adebare aus:

Hiller Nachwuchs 6. Juni 2011 Foto: Alfons R. Bense
Hiller Nachwuchs 6. Juni 2011 Foto: Alfons R. Bense

Juli

Nach einem Monat sind die Kleinen ganz groß geworden. Und es wird zu fünft eng auf dem Nest. So weichen die Alten oft auf den Laternenmast auf der Kreuzung Hiller/Brennhorster Str. aus.

 

Bald wird Hektik auf dem Fliegerhorst ausbrechen, denn die Jungstörche werden erste Flüge starten.

Tower an Storch: Starterlaubnis erteilt - Guten Flug!

Am 16. Juli klappte der Rückflug eines unberingten Jungstorches zum Nest nicht. Er verirrte sich in einen kleinen Hiller Garten, in dem die Startbahn zu kurz war. So wurde das Tier auf eine Wiese transportiert, um von dort nach Hause fliegen zu können.

 

Nach einer weiteren Notlandung - zwei Tage später - konnten wir den Storch unverletzt aber entkräftet einfangen und in tierärztliche Hände weitergeben.

Nachdem der Tierarzt keine Verletzungen festgestellt und Alfons R. Bense vom Aktionskomitee die Beringung vorgenommen hatte, wurde der Bruchpilot in die Wildtier- und Artenschutzstation Hohe Warte in Sachsenhagen gebracht. Dort soll sich der Storch erholen, ordentlich fressen und Kräfte sammeln.

 

Am 30. Juli wurde unser Bruchpilot von Vereinsmitgliedern in der Artenschutzstation besucht. Er erfreut sich mittlerweile wieder bester Gesundheit, und wird in den nächsten Wochen wieder mit Artgenossen freigelassen.

August

Tja, nicht viel Neues bei den Hillerichs. Der Nachwuchs hat fliegen gelernt und muss sich jetzt selber versorgen. Immer häufiger ist der Nest tagsüber unbesetzt, weil die Störche bei der Nahrungssuche sind. Frisch gemähte Wiesen und umgepflügte Getreidefelder bieten jetzt reichlich Futter.

September

Die beiden Jungstörche haben Hille verlassen. Wir wünschen Ihnen einen guten Flug in den Süden.

 

Der Weißstorch-Jahresbericht 2011 für den Kreis Minden-Lübbecke wurde vom Storchenexperten Alfons R. Bense vorgelegt und enthält für unseren Horst folgenden Eintrag:

Hille-ORT (Schornstein Kornbrennerei Meyer)

Ankunft: beide bis Ende Nov. 2010 vor Ort, im Februar 2011 „zurück“ („Winterflucht“)

Ring: beide unberingt Bruterfolg: HP 5/3/3 (2 beringt: DEW 9X620 u. 9X608) Anmerkung: Paar des Vorjahres. Horst mit Hubwagen (23 m) kaum erreichbar: nur 1 von 3 beringt. Ein unberingter Jungvogel wird nach Ausfliegen in einem Garten aufgegriffen, unverletzt, wird wieder freigelassen. Zwei Tage später wird er aus dem Mittelandkanal „gefischt“. Pflege in der Biologischen Station, Beringung (9X608), wird in die Wildtierschutzstation Sachsenhagen gebracht.

Die erste erfolgreiche 5er-Brut im Mühlenkreis seit 1990 gab es im Hiller Ortsteil Wittloge auf dem Pfahlnest Schafstall. Das Weibchen mit dem Ring DEW1x377 wurde am 16. Juni 2003 bei uns beringt. Es brütet seit 2006 fünf Kilometer nördlich in Wittloge.

Oktober/November

Erst am späten Nachmittag/in der Dämmerung kehren die Hillerichs aufs Nest zurück, um in Zweisamkeit die Nacht über Hille zu verbringen. Etwas ungewohnt für die Jahreszeit mutet das (teilweise längere) Klappern bei Eintreffen an. Und morgens sind sie schon wieder verschwunden, wenn die Kinder auf dem Weg zur Schule sind.

Dezember

Der November war trocken und relativ warm. Im Gegensatz zu letztem Jahr hat es noch nicht geschneit. Obwohl das Wetter in den ersten Dezembertagen sehr windig und regnerisch war, ist unser Storchenpaar noch jeden Abend auf dem Schornstein zu beobachten. Selbst der Weihnachtsmarkt an der Brennerei hat sie nicht aus der Ruhe gebracht.

Ab Mitte Dezember hielten sich die Störche nicht mehr regelmäßig in Hille auf, sondern kamen nur sporadisch alle paar Tage wieder zurück.